Halbjahresbericht 2019

Liebe Freunde und Förderer von favela education e.V.,

wir möchten Ihnen gerne kurz von unseren Kindern berichten. Es waren aufregende Zeiten, denn im Frühjahr 2019 kam zwei Mal Besuch aus Deutschland nach Rio de Janeiro. Unsere langjährigen Spender Axel Braun und Familie Kozlowski haben sich mit Eduardo, Margit, Matheus, Danton, Gabriele und Murilo getroffen, den Englischunterricht besucht und Zeit mit ihnen und ihren Angehörigen verbracht.

Wir freuen uns immer sehr, wenn Spender die Möglichkeit finden, unser Projekt vor Ort zu besuchen, um die Kinder und ihre Lebensumstände kennenzulernen. Vielen Dank an unsere langjährigen Förderer für ihre Berichte, die ich beigefügt habe.

An dieser Stelle möchten wir uns im Besonderen bei zwei Menschen bedanken, die seit langem unser Projekt fördern. Auf unserem 25jährigen Jubiläumsfest im letzten Jahr haben sie sich spontan bereiterklärt, ein neues Auto für unseren Betreuer Eduardo zu finanzieren. Wir waren überwältigt von ihrer Großzügigkeit.

An dieser Stelle danken wir ganz besonders Eduardo, unserem Betreuer vor Ort, danken. Ohne ihn wäre favela education e.V. nicht möglich.

In den Favelas herrscht ein schwieriges, oftmals explosives Umfeld. Kriminalität, Drogenhandel, Prostitution, Korruption und Gewalt sind nur einige Faktoren. Nur durch Eduardos „rund um die Uhr“-Betreuung gelingt es immer wieder, die Kinder und auch die Eltern zu motivieren und zu überzeugen, diese Chance auf ein besseres Leben wahrzunehmen. Unterstützt wird er hierbei auch durch die Kinder aus der ersten Fördergeneration. Sie haben durchgehalten und sind den anderen Antrieb und Vorbild.

Liebe Förderer von favela education e.V.: dank Ihrer Unterstützung ist es für die Kinder aus den Armenvierteln möglich, Grenzen zu überschreiten, neue Horizonte zu entdecken und Teil einer Welt zu werden, die ihnen ansonsten verschlossen bleibt. Das Vertrauen zu entwickeln, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft finden können.

Marcos, der Polizist, sagte einmal: “Ohne Euch wäre ich nicht da wo ich jetzt bin. Ich bin etwas wert.“

Wir wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und bedanke uns für Ihr Vertrauen in unser Projekt.

Kristin Zimmermann

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Besuch von Axel Braun in Rio de Janeiro/März 2019

Seit Jahren schon wollte ich mir die Favelas und unser Bildungsprojekt vor Ort ansehen. In diesem März haben wir nun eine Brasilien-Rundreise gemacht und der Start war Rio de Janeiro.

Über eine WhatsApp-Gruppe mit Teresinha, Eduardo (unser Mann vor Ort) und Jorge, dem Englischlehrer, haben wir das Zusammentreffen mit den Kindern organisiert.

Am Dienstagnachmittag haben uns Eduardo und Jorge mit dem neuen Favela Car an unserem Hotel an der Copacabana abgeholt und zu den Großeltern von Matheus gebracht. Diese wohnen am Rande der kleinen Favela im Westen von Rio. Von den Favela-Kinder waren Matheus, Murilo und Danton anwesend, die Mädchen waren verreist. Auch der Vater von Matheus, der bereits das Programm durchlaufen hat, war anwesend, ebenso wie die Großeltern und Eltern der Kinder.

Der Empfang war sehr herzlich. Wir wurden mit Erfrischungen und lokalen Spezialitäten verwöhnt. Natürlich mußten wir von Deutschland erzählen – Matheus hatte uns auf deutsch begrüßt -! Ob wir auch Kinder haben und was sie machen. Dabei kamen alle schnell auf den Punkt: das Sprachen und Reisen wesentlich und wichtig für Bildung und gegenseitige Toleranz sind.

Zwar wird Englisch wohl auch in der öffentlichen Schule gelehrt. Diese hat jedoch einen sehr schlechten Ruf und die Tatsache, dass der neue Präsident im Bildungsbereich sparen will, lässt keine Hoffnung auf Besserung zu.
Mit dem Englischunterricht, den favela education e.V. den Kindern zukommen lässt, werden sie deutlich bessere Chancen haben als ihre Mitschüler – auch wenn es zu Zeit mit dem Sprechen noch hapert. Jorge musste die ganze Zeit übersetzen.
Auch haben wir ihnen ans Herz gelegt, nach der Schule mit Work & Travel die Welt zu bereisen. Wir haben Matheus nach Deutschland eingeladen, falls er nach der Schulzeit seine Deutschkenntnisse ausbauen möchte.

Zum Abschluß sind wir noch in der Favela gewesen, in der Danton mit seiner Schwester lebt. Positiv kann man sagen: sie versuchen aus ihrer Situation das Beste zu machen und alle Kinder haben verstanden, welche einmalige Chance favela education e.V. bietet.

Vor dem Abschied kam die Sprache auf Berufsaussichten und dort habe ich auf die Möglichkeiten hingewiesen, die ihnen freie/libre Software bietet. Ein anderes Projekt, bei dem ich engagiert bin, GNU Health, ist ein freies Softwaresystem für Arztpraxen und Krankenhäuser. Es ist in vielen „emerging countries“ bereits im Einsatz. Auch in Brasilien. Die Informationen wurden interessiert aufgenommen.

Sehr überrascht waren wir im Verlauf der Reise, dass in Touristenorten wie Praia do Forte fast nirgendwo Englisch gesprochen wurde. Nicht in unserem Hotel, ebenso wenig in den meisten Restaurants. Die wenigen Brasilianer, die Englisch oder eine andere Fremdsprache sprechen, werden dann von der Industrie mit einem wesentlichen besseren Gehalt als in der Tourismusbranche gelockt. Ein weiterer Punkt, der zeigt, wie wichtig Sprachen für die Kinder der Favelas sind.

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Besuch von Claudia und Peter Kozlowski in Rio de Janeiro/April 2019

Wunderbare Tage in Rio.

Nach unserer Landung in Rio de Janeiro um 6 Uhr morgens und kurzer Akklimatisierung freuten wir uns auf ein Treffen mit den Kindern von favela education e.V..

Um 10 Uhr desselben Tages holten uns Eduardo und Jorge, der Englischlehrer, am Hotel ab und nach einer kleinen Stadtrundfahrt trafen wir die fünf Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters in ihrem Unterrichtsraum zu Englischstunde.

Wir waren alle etwas aufgeregt, aber Jorge hat mit seinem Humor und seiner Begeisterungsfähigkeit schnell eine entspannte Stimmung geschaffen. Da die Kinder wegen der deutschen Gäste noch etwas schüchtern waren, erzählten Peter und ich über unsere Familie und was wir beruflich machen. Danach begann Jorge mit dem Englischunterricht und wir hatten Spaß zuzuhören.

 

Nach dem Unterricht hatten Eduardo und Jorge noch eine Besichtigung des alten Hafens geplant und Caroline, eine ehemalige Schülerin von favela education e.V., die auch noch aus diesem Tag Geburtstag hatte, kam dazu. Die Stimmung wurde immer lockerer, die Kinder aufgeschlossener und stellten uns viele Fragen. Wir hatten eine wunderbare Führung durch den alten Hafen von Rio, der nun ein tolles Kunst- und Kulturviertel geworden ist. Am Science Museum gab einige Gruppenfotos und wir hatten viel Spaß zusammen. Später luden wir die ganze Gruppe, zu der sich nun auch drei Mütter gesellten, zu Burger King ein.

Es war ein toller Tag mit den Kindern, die sehr motiviert sind, Spaß am Lernen haben und auch sehr neugierig sind. Für Peter und mich war es großartig, unser Favela Education-Projekt einmal live zu erleben und festzustellen, wie wichtig die Unterstützung von uns allen ist. Wir haben noch zwei Tage mit Sightseeing verbracht und dann eine tolle Rundreise unternommen.

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Margit

Sie ist 10 Jahre alt, lebt mit ihrer Mutter und fünf Geschwistern in der
Favela Babilonia. Margit besucht die 7. Klasse des Gymnasiums.
Sie spielt Bratsche im Jugendsinfonieorchester des Bundesstaates Rio de Janeiro. Aus 300 Kinder wurde sie für einen Austausch mit den Musikhochschulen von Madrid und Valencia ausgewählt. Sie war überglücklich und hat jetzt nach ihrer Rückkehr ein klares Ziel: eines Tages Musiklehrerin zu werden.

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Danton

Er ist 20 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in der Favela Rio das Pedras. Er besucht im Gymnasium die 9. Klasse und träumt davon, Fallschirmspringer in der brasilianischen Armee zu werden.

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Matheus

Er ist 13 Jahre alt, lebt mit seiner Mutter in der Favela Muzem und geht in die 7.Klasse des Gymnasiums Santa Monica.

Matheus hat noch keine genaue Vorstellung was er später werden möchte. Machmal denkt er darüber nach, Medizin zu studieren. Ein anderes Mal möchte er Theaterdirektor werden.

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Murilo

Er ist 14 Jahre alt und lebt mit seinem Vater in der Favela Barrinha.
Wie Matheus besucht er das Gymnasium Santa Monica und ist in der 3. Klasse.

Sein Wunsch ist es, wie sein großes Vorbild, sein Vater Marcos (er war die erste Generation in unserem Projekt), Polizist zu werden.

 

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Gabriele

Sie ist 20 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter und 5 Brüdern in der Favela Rio das Padras. Zur Zeit macht Gabriele eine Ausbildung zur Zahntechnikerin und strebt im Anschluß ein Zahnmedizinstudium an.